Der Glaube der Elfen

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Der Glaube der Elfen




Inhaltsverzeichnis

Die Glaubensrichtungen in der Kurzfassung



Der Glaube der Em-Ag
Über den Glauben der Vorfahren der Elfen, der ersten Hochkultur, aus der sich die heutigen Völker Tirem-Ag und Mag-Mor entwickelten ist wenig bekannt. Die Elfen selbst geben bestenfalls ausweichende Antworten, und es gibt nur wenige Relikte aus dieser Zeit, die für Menschen zugänglich sind. Einer der längsten von Menschenhand verfassten Texte, der sich mit dem Thema befasst, berichtet von harten, körperlichen Bußen und Entbehrungen, die man zu Ehren der Götter auf sich nahm; sogar ihren Tod scheuten die Em-Ag nicht, wenn es darum ging, ein Opfer darzubringen. Doch all diese und weitere Vermutungen sind eben nichts weiter als das: Vermutungen. Sicher gesagt werden kann nur, dass bereits die alten Elfen an ein göttliches Geschwisterpaar, Naribia und Aibiran, glaubten - eine religiöse Eigenart, die sich ja bis in die heutigen Glaubensstrukturen der Tirem-Ag und Mag-Mor fortgepflanzt hat.
Laut einer alten Sage aus der Zeit der ersten Elfen kam die Magie in die Welt, als die Em-Ag von einer schweren Seuche heimgesucht wurden und ihre göttlichen Geschwister Tränen darüber vergossen, dass ihre Kinder starben. Diese Tränen legten sich als Nebel auf das Land und tränkten es mit magischer Kraft. Seither gilt der Nebel allen Elfen als heilig.

Der Glaube der Tirem-Ag
Auch im Glauben der Tirem-Ag existieren die Geschwister, hier Laisrana bzw. Anarsial genannt, als oberste göttliche Instanz. Laisrana vertritt den Aspekt der Heilung und wird mit dem Mond in Verbindung gebracht, während Anarsial für die Sonne steht und der Herr über die Magie ist.
Zusätzlich zum göttlichen Geschwisterpaar existieren für die Tirem-Ag allerdings auch einige niedere Gottheiten, die Laisrana und Anarsial zur Unterstützung beiseite stehen. Die Zwillinge Arondil und Masondir sowie Batheka und Iloin werden beiden Geschwistern gemeinsam zugeordnet, während Sevares und Asuchan zu Anarsials und Careses und Aronash zu Laisranas Gefolge gezählt werden. Diese niederen Götter existieren noch nicht sehr lange im elfischen Pantheon, und es gibt Vermutungen, dass die Elfen den menschlichen Akbeth-Glauben adaptiert und ihrer eigenen Religion untertan gemacht haben; die Ahnlichkeit mancher Namen zu menschlichen Gottheiten unterstützt diese Theorie.
Die Tirem-Ag betrachten ihren Glauben ziemlich nüchtern und orientieren sich auch in ihren Religionsgrundsätzen stark an den Naturgesetzen. Aberglaube ist so gut wie nicht vorhanden. Als oberste Priester der zwei Hauptgottheiten fungieren der oder die oberste HeilerIn (für Laisrana) bzw. MagierIn (für Anarsial). Abgesehen von den Hohepriestern gibt es kaum signifikante Ränge in der Tirem-Ag elfischen Priesterschaft.

Der Glaube der Mag-Mor
Narisala und Alasiran gelten den Mag-Mor Elfen als Elterngottheiten, die in ihrem täglichen Leben eine herausragende Stellung einnehmen. Redewendungen und geflügelte Worte, die sich in der einen oder anderen Weise auf die 'Eltern' beziehen, hört man im Sprachgebrauch der Mag-Mor zuhauf. Narisala steht als 'Mutter' für Erde und Wasser, ihr wird im Mondschein gehuldigt, während Alasiran, der Herr über Sonne, Feuer und Luft, die 'Vaterrolle' einnimmt. Neben ihren 'Eltern' verehren die Elfen auch noch einige niedere Götter, die den beiden Hauptgottheiten als Diener zur Seite stehen: Batheka, Arondil, Aronash und Masondir sind beiden Elternteilen zugehörig, während Iloin und Sevares einzig Narisala; Asuchan und Careses einzig Alasiran unterstehen.
Der Glaube der Mag-Mor weist starke Bezüge zur Seefahrt auf, und beide Hauptgottheiten genießen aus diesem Grund dieselbe starke Verehrung, damit sowohl Wasser als auch Luft den schnellen Seglern der Elfen und ihren Besatzungen gewogen sind. Der starke Opferkult der Em-Ag, der bei den Tirem-Ag beinahe vollständig in Vergessenheit geraten ist, lebt im Glauben der Mag-Mor nach wie vor fort - auch wenn heutzutage keine Lebendopfer mehr dargebracht werden. Dennoch lässt man sich kaum eine Gelegenheit entgehen, sich das Wohlwollen der Götter durch kleine Gaben in Form von Nahrung oder Kleinodien zu sichern.
Die Mag-Mor glauben außerdem daran, dass ihre Schiffe lebendige Wesen mit eigenem Bewusstsein sind, man könnte fast behaupten, die Elfen leben in einer Art Symbiose mit ihren Seglern. Das Schiff wird behandelt wie eine eigenständige Wesenheit und erhält mitunter sogar mehr Aufmerksamkeit von seiner Besatzung als deren Kapitän. Beleidigt man das Schiff, kann das schwere Folgen nach sich ziehen; im schlimmsten Fall beschließt das Schiff sogar, sich der Gnade Narisalas zu überantworten und versinkt von einem Moment auf den nächsten. Daher sind alle Mag-Mor darauf bedacht, dem Schiff nur das Beste zu bieten und es nach Möglichkeit zu verwöhnen, sei es durch besonders sorgfältige Pflege des Holzes, detailreiche Verzierungen oder hübschen Blumenschmuck.
Eine klar definierte Berufung zum Priester scheint es nicht zu geben, vielmehr wechselt das Amt des Priesters offenbar willkürlich von einem Elf zum nächsten. Überhaupt scheint der Glaube der Mag-Mor sprunghaft und launisch wie das Meer zu sein, was sich aufgrund des starken Einflusses des Glaubens auch im täglichen Leben deutlich wiederspiegelt.

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Der Alte Glaube der Em-Ag


"Über den ursprünglichen Glauben der Elfen konnte ich nur bruchstückhaftes herausfinden und selbst dabei sind einige Quellen nicht ohne Vorbehalt zu betrachten. Jedoch gelang es mir, aus den in mühevoller und langer Arbeit zusammengetragenen Erwähnungen und Bruchstücken ein, wie ich denke, recht wahrheits- und originalgetreues Bild zu schaffen.
Leider sind sehr viele Zeugnisse der damaligen Zeit, bevor die Elfen vom Festland aus die Elfeninseln besiedelten, verloren gegangen oder nur noch teilweise erhalten, und die Elfen selbst sind keine große Hilfe dabei, wenn es darum geht ihren ursprünglichen Glauben zu rekonstruieren. Wie oft wurde ich einfach mit nichtssagenden Worten und einem milden Lächeln abgespeist, mit Halbwahrheiten und Floskeln, die alle nicht dazu gedacht waren, mir einen zufriedenstellenden Eindruck zu verschaffen. Wie mir scheint, ist es den Elfen unangenehm darüber zu sprechen und ich konnte nicht aus einem einzigen von ihnen etwas Brauchbares herausbekommen. Selbst jene, die seit Jahren nicht mehr auf den Inseln waren und sich viel mehr wie Menschen denn wie Elfen verhalten, geben vor, nichts mehr über die Zeit zu wissen, in der die zwei Völker eins waren. Doch ich kann und will einfach nicht glauben, dass eine, nein sogar zwei Kulturen alles darüber vergessen haben, welche Form ihr Glaube ursprünglich hatte. Jedoch kann man mit ihnen wirklich nicht vernünftig darüber sprechen. Die Mag-Mor reißen einfach einen Witz, erklären, wie unwichtig es doch sei, darüber nachzudenken was vor so vielen Jahren war, und scheinen diese Angelegenheit in keinster Weise ernst zu nehmen, wohingegen die Tirem-Ag sich entweder nur ausweichend geben oder das Gespräch sogleich auf ein anderes, meist hochphilosophisches Thema lenken. Ich habe viele, viele interessante Witze gehört und könnte Bücher damit füllen. Ich habe über vieles ein bisschen gelernt. Aber wirkliche Antworten fand ich keine.
Wie geschickt sie mir manchmal auswichen, so dass ich erst, nachdem wir auseinander gegangen waren, wirklich registriert hatte, dass meine eigentlichen Fragen unbeantwortet geblieben waren. Aber auch wenn sich die Elfen in dieser Hinsicht wirklich sehr unkooperativ verhalten hatten, gelang es mir, aus alten Geschichten und Überlieferungen ebenso wie aus sehr alten Schriften und halb verwitterten Gravuren auf alten Artefakten, einiges zusammenzutragen.
Hier nun meine spärlichen Erkenntnisse, von denen ich annehme, dass sie den Tatsachen entsprechen. Denn unglaubliche Geschichten aller möglichen Art habe ich genug zu hören bekommen.

Wie auch die heutigen Elfenvölker glaubten schon die Em-Ag an zwei göttliche Geschwister, von denen eines weiblich, das andere männlich war. Die Herkunft dieser Götter liegt jedoch sehr im Dunkeln. Den Vorstellungen der Elfen nach existierten sie schon immer, sich über deren Entstehung Gedanken zu machen war für die Em-Ag also nie von Belang. Überhaupt waren sie in dieser Hinsicht ziemlich naiv und nahmen die Dinge stets als gegeben an ohne sie zu hinterfragen.
Nun, wie man es schon vermuten kann, war der Glaube der Em-Ag Elfen stark dualisiert. So wie es einen weiblichen und einen männlichen Gott gab, so waren die Geschwister verschiedenen Aspekten zugeordnet. Bemerkenswert sind dabei auch die Namen dieser Götter, die, von hinten bzw. von vorne gelesen, dasselbe bedeuten. Also wohnte sowohl Naribia Aibiran inne als auch umgekehrt. Ein interessanter Ansatz, dass sie zwar so unterschiedlich waren wie Tag und Nacht, sich aber dennoch irgendwie glichen.
So wurde Naribia als gütige, sorgende und verzeihende Mutter der Elfen betrachtet und am ehesten der Nacht zugeordnet. Alle Abbildungen die ich fand zeigten sie im Zusammenhang mit dem Mond, der wohl eine große Rolle bei ihrer Verehrung spielte.
Mir scheint, dass, je nachdem wie der Mond am Himmel stand, die Elfen der Meinung waren, Naribia würde sich ihnen zu- oder sich von ihnen abwenden, ihnen mehr oder weniger Aufmerksamkeit schenken. Diese Theorie wird dadurch unterstützt, dass so gut wie alle großen Rituale zu ihren Ehren bei Vollmond praktiziert wurden, es sei denn es ging darum, einen Fehler wieder gut zu machen, zu büßen. Aus mehreren Inschriften und Abbildungen konnte ich entnehmen, dass der, der gegen Naribia gefrevelt hatte, nächtelang wachen musste, angefangen bei Neumond, und erst, wenn der Büßer wieder voll im Lichte Naribias gebadet wurde, war sie ihm wieder wohlgesonnen. Zum Zweck solcher Bußwachen gab es spezielle Orte und besondere Erschwernisse, je nach Art des Frevels. Doch genaueres darüber konnte ich leider bisher noch nicht herausfinden.
Naribia war diejenige, die für das Wachstum der Pflanzen verantwortlich gemacht wurde, und der die Elemente Erde und Wasser zugeschrieben wurden. Ihr Bruder Aibiran wurde dagegen als der kämpferische, fordernde und strafende Vater der Elfen angesehen. Mit ihm wurden der heiße Tag und die Sonne in Verbindung gebracht, die ja auch je nach Stärke wärmen oder verbrennen kann. Dem Gott des Feuers und der Luft huldigte man, indem große Scheiterhaufen errichtet wurden, in denen sich die ihm zugeordneten Elemente verbanden. Ich fand ebenfalls einige Abbildungen, in denen sich Elfen ganz Aibiran hingaben und sich freiwillig dem Feuertod überantworteten. Besonders heilige Orte für dieses größte Opfer dürften Vulkane gewesen sein. So wurde durch den Tod im Feuer die Vereinigung mit Aibiran gesucht. Frevler gegen ihn wurden aber auch schutzlos der Sonne preisgegeben, und wenn sie ihren Verbrennungen nicht erlagen, so war ihnen wohl von Aibiran vergeben worden - oder aber die Mutter Naribia hatte ein Einsehen gehabt.
Es gibt auch Schriften, die besagen, dass die Vereinigung mit Naribia und Aibiran gesucht und gefunden wurde, eine Art rituelles, vollkommenes Opfer, um sich die Götter besonders wohlgesonnen zu stimmen.
Genaueres konnte ich leider nicht herausfinden, nur, dass dies unter anderem bewerkstelligt wurde, indem man sich an Orte begab, an denen Elemente beider Gottheiten zu finden waren. Ich nehme an, dass eine dieser Arten, sich mit beiden zu vereinigen, war, sich von hohen Klippen zu stürzen, nachdem man in Brand gesetzt worden war, um dann im Meer in Naribias Umarmung zu landen. Auf den ersten Blick erscheinen all diese Opfer natürlich sehr grausam, doch eines kann ich mit Sicherheit sagen: Die, die in den Tod gingen, taten dies freiwillig. Es waren oft hochangesehene Elfen, häufig schon hohen Alters, die ihr Wissen und ihre Weisheit mit ihren Göttern vereinten, oder auch Elfen in der Blüte ihrer Jahre. Nie jedoch Kinder oder körperlich oder geistig erkrankte oder geschädigte. Für die Gesellschaft waren dies echte Opfer, Leute von hohem Wissensstand oder körperlichem Nutzen. So war es auch undenkbar, dass Feinde oder Gefangene dafür erwählt wurden. Schließlich wurde es als hohe Ehre erachtet, sich zum Nutzen des Volkes mit den Göttern zu vereinen und sich so aus der Mitte des Volkes zu nehmen, um dadurch Dürren oder andere Missstände zu beenden.
Denen, die sich in die Umarmung der Götter begaben und sich so opferten, wurden oft noch posthum Ehrungen zuteil, auf jeden Fall wurden sie aber nicht vergessen, sondern waren gerade nach ihrem Opfer in der Erinnerung der alten Elfen hoch angesehen. Leider gingen die meisten Aufzeichnungen zu den Ritualen der Em-Ag verloren, und mir scheint es auch, dass diese zumeist ohnehin nur mündlich von Lehrer zu Schüler überliefert wurden.
Ein wirklich interessanter Aspekt des alten Glaubens der Em-Ag war der vollkommen natürliche und selbstverständliche Umgang mit ihrer Magie, einer von ihren Göttern geschenkten Gabe, die ihnen ihr Leben erleichterte. Der Einsatz von Magie wird nirgends als etwas Besonderes geschildert, vielmehr gewann ich durch meine Studien den Eindruck, dass dies bei ihnen so natürlich war, wie es bei uns ist, zu laufen oder zu schwimmen. Selbst kleine Kinder waren schon magiebegabt und wandten Magie nahezu spielerisch an.
Einer Sage nach gab es eine Zeit großer Not, in der die Ernten nicht gediehen und Elf und Tier dahinsiechten. Unwetter tobten und die Em-Ag litten große Not. Naribia und Aibiran sahen das Leiden ihrer Kinder und hörten ihre Klagen. War Aibiran noch dafür, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich selbst aus diesen Qualen zu lösen, um eine Auswahl zu treffen, wer stark und würdig genug war, so hatte Naribia Mitleid mit ihren Kindern. An dieser Stelle möchte ich betonen, es war keineswegs so, dass die Götter miteinander die Elfen gezeugt hatten, sondern dass sie vielmehr ihre Kinder im Geiste waren. Während Aibiran noch zusah, wie die Elfen litten und stolz auf jene war, die sich behaupten konnten, so verging Naribia fast vor Leid und weinte bittere Tränen. Denn auch die Pflanzen, die sonst imstande waren, die Krankheiten zu mildern oder zu heilen, konnten dieses Leiden nicht beenden. In ihrer Güte kam sie zu Aibiran und als er die Tränen und das Leid seiner Schwester sah, da war auch er zu Tränen gerührt, heißen, zornigen Tränen darüber, dass seine Schwester leiden musste. Und die Tränen der beiden vermischten sich und es entstand ein heilender, segenspendender Nebel, der überall wo Elfen wohnten, alles bedeckte. Tagelang waberte der Nebel und tauchte die Welt in geheimnisvolles Licht, während alle Elfen schliefen, wohlbehütet von Naribia. Und währenddessen sandte ihnen Aibiran Träume. Als sich die Schleier verzogen, war die Welt viel wunderbarer als zuvor und der Nebel, die Tränen ihrer Götter, hatte die Elfen verändert. Im Traum hatte Aibiran ihnen eingeflüstert, wie sie sich in Zukunft zu helfen hätten, damit Naribia nicht erneut solchem Leid und Kummer ausgesetzt war. Und von da an wohnte in ihnen das Wissen um die Gabe der Magie inne, mit der sie viel Unbill verhindern und verringern konnten.
Aus dieser Geschichte heraus zeigt sich auch sehr deutlich, wieso den Elfen der Nebel als so etwas Heiliges gilt, ein Grund mehr, wieso die Insel Em-Ag für sie ein heiliger Ort ist und es als schlimmer Frevel angesehen wird, sich als Nicht-Elf diesem Sitz der Götter, wo Aibiran und Naribia wohnen, zu nähern. Inwieweit sich die Elfen selbst diesem Verbot erlegen fühlen, oder ob dort gar Elfen hausen, das vermag selbst ich nicht zu sagen. So ist dies sicherlich ein weiteres der gut gehüteten Geheimnisse der Elfen."

Aus den Schriften eines vorgeblich gelehrten Menschen, der Jahre seines Lebens damit verbrachte, mehr über uns Elfen zu erfahren. Lest sie und seid erstaunt, wie viel er herausfinden konnte. Lächelt über die falschen Schlüsse, die er zuweilen zog. Jedoch lasst euch dies auch eine Lehre sein, selbst dem neugierigsten und freundlichsten Menschen keines unserer Geheimnisse anzuvertrauen, denn der Nebel der Zeit dieser Geschichten gehorcht nur uns Elfen, und kein Mensch vermag ihn zu durchblicken und wird es auch nie können. Das, was den Menschen gezeigt wird, wird zerstückelt und zerpflückt, bis der Zauber verflogen ist. Dass man Glauben nicht in einzelnen Worten finden kann, dass sie, auch wenn sie alle Schriften aller Religionen untersuchen würden, keine Unze echten Glaubens darin finden könnten, das ist ihnen noch nicht bewusst geworden.

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Der Glaube der Tirem-Ag


Aus dem ursprünglichen Glauben der Em-Ag Elfen haben sich im Laufe der Zeit zwei verschiedene Religionen entwickelt, ebenso wie auch die alte Elfenkultur in ihrer Entwicklung eine Trennung erfuhr.
Der Glaube der Tirem-Ag Elfen erinnert in den grundsätzlichen Dingen noch sehr stark an den ursprünglichen Em-Ag Glauben. So sind die Hauptgottheiten weiterhin männlich und weiblich, auch die Beschaffenheit der Namen ist gleich geblieben, auch wenn er sich im Laufe der Zeit geändert hat, und nun 'Anarsial' und 'Laisrana' ein Pantheon der Elfengötter der Tirem-Ag anführen. Denn im Laufe der Zeit kamen weitere Gottheiten hinzu, den Geschwistern untergeordnet und auch nicht so mächtig. Diese fungieren hauptsächlich als zusätzliche Boten zu den beiden Geschwistern, unterstützen diese und werden so nach manchen Gebieten verstärkt angebetet.
Arondil und Masondir sind ebenfalls Zwillinge, die direkt den beiden Geschwistern Anarsial und Laisrana unterstellt sind und ebenso als ihre Mittler und Boten gelten wie Batekha und Iloin. Sevares und Asuchan hingegen sind einzig Anarsial unterstellt und gelten im Besonderen als dessen Herolde, Careses und Aronash haben die selbe Funktion bei Laisrana inne.
Manche Gelehrte vermuten, dass diese Namen, hinter denen man mit etwas Phantasie durchaus menschliche Gottheiten erkennen kann, eine Anpassung der Tirem-Ag sind, indem sie den Glauben der Menschen nicht komplett negieren sondern dem Ihren untertan machen.

Besonders stark geprägt ist der Glaube der Tirem-Ag von zahlreichen Regeln und Geboten, von denen die meisten wissenschaftliche Gesetze als Grundlage haben. Generell scheint es, dass die Tirem-Ag an ihren Glauben eher kühlen Kopfes herangehen, und für Aberglaube wenig Platz ist. Zwar werden verschiedenen Phänomenen dennoch Gottheiten zugeordnet, jedoch wird dabei nicht vergessen, was die wirklichen Ursachen sind. So sind diese 'Hausgeister' und zusätzlichen Götter wohl vermehrt ein Überbleibsel einer abergläubischeren Zeit.
Die Rituale, die bekannt sind, sind durchwegs sehr logisch aufgebaut und bestehen aus verschiedensten Abläufen. Alle gemeinsam ergeben sie ein sehr ansehnliches Bild und lassen das ganze wie einen leichten Tanz erscheinen, begleitet von ätherischen Klängen. Auch spielt Licht dabei oft eine große Rolle; die Begeisterung der Tirem-Ag Elfen für Kristalle und Lichtspiele ist ja hinglänglich bekannt.
Bezeichnend ist auch, dass die Tirem-Ag Elfen darauf bedacht zu sein scheinen, ihren Glauben als sehr rein und dennoch mystisch darzustellen. Man wird, außer bei ihren Festen oder Ritualen, selten einen der Tirem-Ag dabei sehen wie er seine Götter anspricht oder seinen Glauben ausübt. Es scheint naheliegend, dass der Glaube im Leben der Tirem-Ag im Vergleich zu ihren Forschungen und der Wissenschaft nicht mehr denselben hohen Stellenwert wie früher einnimmt und in einigen Bereichen gewissermaßen als überholt angesehen, aber aus Tradition oder Nostalgie nicht aufgegeben wird. Doch auch wenn er langsam aber sicher in den Hintergrund rückt, so praktizieren die Tirem-Ag ihren Glauben sehr gewissenhaft, wobei bei den Elfen wirkliche Begeisterung zu erkennen ist. Der Schein, dass es sich bei den Ritualen nur noch um reine Routine handelt, trügt also.
Man kann vermutlich dennoch von keiner tiefen Gläubigkeit sprechen, wird das tägliche Leben der Tirem-Ag mittlerweile doch zu oft von gänzlich anderen Faktoren bestimmt, auch wenn sich oft in Sprichwörtern oder Allgemeinplätzen plötzlich die Gottheiten wieder finden. So zum Beispiel der Kommentar eines Magiers zu einem Zauber, dessen spezielle Wirkung ohne Sonnenlicht kaum erwähnenswert ist: "Dies wird heute nicht mehr gelingen, Anarsial wendet sein Auge von uns." - es dämmerte gerade, und der Zauber wäre daher nicht mehr sehr erfolgreich gewesen.
Einigen Berichten zufolge, ist für einen Außenstehenden der Sinn oder Unsinn der meisten Handlungen eines Rituals oder einer der Zeremonien nicht nachzuvollziehen. Überall wird jedoch berichtet, dass der Anblick alleine erhebend ist und durchaus die weite Reise nach Tirem-Ag wert.

Die Priesterschaft der Tirem-Ag ist sehr klar strukturiert und jeder Elf kennt seinen Platz sehr genau. Gerade deshalb scheint es nur selten zu Intrigen oder Rangstreitigkeiten zu kommen. Falls doch, so waren sie bisher für Außenstehende nicht erkennbar.
So gelten jeweils zwei Elfen als unbestrittene Oberhäupter der Tirem-Ag in theologischer Hinsicht: der oder die Oberste der Magier und der Heiler. Bemerkenswert ist dabei, dass auch heutzutage immer noch Laisrana der Mond, und ebenso die Heilkräfte und dergleichen zugeordnet wird, und Anarsial weiterhin die Sonne und damit eher der Bereich der Magie untergeben sind. Es besteht daher außerdem Grund zur Annahme, die Vertretung der jeweiligen Gottheit sei vom selben Geschlecht wie die Gottheit selbst - immerhin nehmen die Hohepriester in den Zeremonien oder Ritualen die Rolle des Gottes oder der Göttin an. Mit dieser Vorstellung wären unweigerlich immerzu eine weibliche oberste Priesterin und Heilerin Laisranas und ein männlicher oberster Priester und Magier Anarsials verbunden, doch tatsächlich scheint das Geschlecht bei der Wahl derselben keinen Einfluss zu haben und einzig die Eignung für diese Aufgabe als wichtig erachtet werden. So kommt es nicht selten vor, dass beispielsweise als Vertretung der Göttin Laisrana ein männlicher Elf zuständig ist, was jedoch niemanden zu stören oder in irgendeiner Weise zu verwundern scheint. Mit seinem neuen Amt wird er dennoch als Vertreter Laisranas auf der Insel angesehen, als ihre Stimme, und bisher wurde die Eignung noch nie aufgrund des Geschlechtes in Frage gestellt.
Im täglichen Leben haben die verschiedenen anderen Ränge der Priesterschaft, wenn man sie so nennen will, nur sehr untergeordnete Bedeutung, wenn sie denn überhaupt eine haben, so dass diese hauptsächlich während der komplizierten Zeremonien zum Tragen kommt.
Dass es allerdings zu keinerlei Streitigkeiten kommt und der Elf, der eine kirchliche Tätigkeit ausübt, dafür einfach als am geeignetsten angesehen wird, ist wirklich sehr erstaunlich. Tatsächlich gibt es keinen einzigen Bericht, dass es jemals anders als harmonisch und friedlich zugegangen wäre, wenn Posten vergeben wurden.

Natürlich, als ob wir solche Kindsköpfe wären und jeden dahergelaufenen und nur kurz auf Besuch verweilenden Menschen merken lassen würden, wer hinter welchem Titel her ist und wie man diesen verteidigen muss. Nur weil Intrigen nicht bemerkbar sind, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht existieren. Natürlich achten wir darauf es nicht zu übertreiben, schließlich würden die Geschwister es nicht gerne sehen, wenn wir deswegen wirklich zankten oder es gar zu Maßnahmen käme, die sie keineswegs billigen würden, vielleicht gar zu Gewalttaten. Aber man muss doch nur die richtigen Elfen davon überzeugen, wer am geeignetsten ist, und schon kann man sich einer neuen Stellung sicher sein.

Alles in allem haben die Tirem-Ag von ihren Vorfahren, den Em-Ag, einiges für ihren Glauben übernommen. Es gibt aber auch diverse eigene Ansätze, ebenso wie es vieles gibt, das in Vergessenheit geraten ist. Die Opferungen, die ihre Vorfahren noch als heilig und den Göttern gefällig angesehen hatten, sind mittlerweile vollkommen verschwunden, höchstens wird während manchen Zeremonien derartiges in sehr subtiler Art und Weise angedeutet. Gleich geblieben ist jedoch der Glaube daran, dass die Geschwistergötter auf ihr Volk achten, es hüten, beschützen und ihm beistehen.

"Ich war wegen der schweren Erkrankung meines Sohnes zur Insel der Elfen gekommen, schließlich haben sie den besten Ruf als Heiler, und mir wurde aus zuverlässiger Quelle versichert, dass schon die Insel selbst für ihre Heilkräfte bekannt sei und gerühmt werde, ja selbst die Luft, die man dort atme, solle heilend und kräftigend wirken. Ich hoffte damals, dass dies zutreffen würde, denn schließlich war er mein Erstgeborener und sollte dereinst mein Erbe antreten. Ich wurde sehr freundlich empfangen und doch mit Nachdruck in die Räume verwiesen, die uns zugeteilt waren. Diese Tatsache verblüffte mich, hatte ich doch gehört, dass man sich auf der Insel frei bewegen dürfe. Zu Beginn stand mir aber ohnehin nicht der Sinn danach, mich von meinem Jungen zu entfernen, selbst wenn ich nichts für ihn tun konnte. Doch eines Nachts, als es ihm schon etwas besser ging und er tief und fest schlief, nutzte ich die Gelegenheit, mir ein wenig die Beine zu vertreten. Die Nacht erschien mir recht hell, jedoch schrieb ich dies zunächst den Sternen und dem Mond zu, die über uns leuchteten. Dann aber bemerkte ich, dass gar nicht weit entfernt das Licht in Bodennähe schien und näherte mich neugierig. Was ich sah, versetzte mich wirklich in Erstaunen: Einige abgelegene Häuser der Elfen erstrahlten in nahezu überirdischem Glanz, überall hingen leuchtende Kugeln in den Bäumen und beleuchteten so den Platz zwischen den Häusern. Als ich näher kam, hörte ich auch Musik, süße und wunderbare Melodien, wie ich sie zuvor noch nie vernommen hatte. Bald sah ich auch Elfen in seltsam anmutenden, fließenden Gewändern, die dort auf dem Platz zu Gange waren. Einige sangen, andere tanzten einen komplizierten Reigen, ihre Bewegungen so grazil und fließend, als würden sich Zauberwesen bewegen. Angelockt von diesen Klängen und dem Schauspiel, das sich meinen Augen bot, näherte ich mich, auch wenn mich irgendetwas zurückhielt und ich es nicht wagte, ganz ins Licht zu treten, wollte ich doch dieses wunderbare Ereignis nicht stören. Dennoch, meine Anwesenheit war wohl bemerkt worden, denn nicht lange, nachdem ich tief bewegt stehen geblieben war und noch immer nicht recht glauben mochte, was ich sah, trat eine Elfe zu mir, wunderschön anzusehen, mit winzigen Lichtern im Haar, Glühwürmchen gleich, die ihr Gesicht liebreizend umschmeichelten. Wie ein Engel erschien sie mir, so dass ich einige lange Augenblicke des Staunens benötigte, um in ihr die Elfe zu erkennen, die sich seit unserer Ankunft auf der Insel um meinen Sohn gekümmert hatte. Natürlich, sie war immer schön gewesen, wie es die Elfen eben sind, doch nun strahlte sie eine geradezu überirdische Grazie aus. Nach einer Weile, ich weiß wirklich nicht wie lange, beugte sie sich zu mir und ich roch einen berauschenden Duft, wie eine ganze Blumenwiese, so dass ich Schwierigkeiten hatte, mich auf ihre Worte zu konzentrieren. "Euer Sohn wird gesunden, unsere Mutter Laisrana hat um ihn geweint um sein Leid zu lindern." Mit diesen Worten hielt sie ein kleines Kristallfläschchen an einer silbernen Kette, dessen Inhalt schimmerte und leuchtete, in die Höhe und sah mir tief in die Augen. Ihre Worte klangen in meinem Kopf deutlich nach, als hätten meine Ohren sie gar nicht vernommen. Mehr weiß ich nicht mehr, ich sah nur noch ihre Augen und erwachte plötzlich an Bord des Schiffes, welches uns abholen sollte. Mein Sohn saß wohlauf und gesund neben mir, und auf Fragen wurde mir nur mitgeteilt, dass wir nun, da wir gefunden hatten, nach was uns verlangt hatte, wohlbehalten nach Hause gebracht werden würden. Während ich hier sitze und schreibe, liegt vor mir dieses Fläschchen, welches die Elfe meinem Sohne gab. Er hatte daraus getrunken und das Fieber senkte sich, alle Beschwerden verschwanden. Es ist fest verschlossen, aber ein kleiner Tropfen befindet sich noch darin, noch immer leicht leuchtend. Während ich es so betrachte, frage ich mich, ob es wahrhaftig die Tränen der Elfengöttin waren, die meinem Sohn Linderung verschafften. Wenn man bedenkt, wie viel ich dafür bezahlt habe, muss es sich wahrlich darum handeln, denn die Truhen, die ich wohlgefüllt auf die Insel mitgebracht hatte, wurden mir nicht mit auf den Heimweg gegeben. Aber das Leben meines Sohnes war mir dies auf jeden Fall wert, und aus diesem Grund schrecke ich auch davor zurück, den winzigen Rest analysieren zu lassen. Wer weiß, ob ihn nicht erneut eine Krankheit befällt und ich damit sein Leben retten könnte."

<Bericht: Habemir von Waldesruh)



Oho, einer derjenigen, die Heilung bei uns fanden. Soll er doch glauben, dass in tagelanger Arbeit hergestellte Arznei göttliche Tränen sind, wenn es ihm dadurch leichter fällt, für unsere Mühen zu bezahlen. Aber er ist wieder ein Beispiel für den reibungslosen Ablauf unserer Arbeit, ohne Zwischenfall wurden er und sein Sohn nach der Gesundung zurückgebracht und wer weiß was er nun wunderliches und wunderbares über unsere Heilungsmethoden erzählt? Auf jeden Fall eine großartige Idee, ihm das Fläschchen mit ein wenig Arznei zu lassen und so das Feuer seines Aberglaubens weiter zu schüren. Diese Menschen sind ja so leicht für derartige Dinge zu begeistern und kommen gar nicht auf die Idee, dass es sich bei all dem vielleicht um etwas ganz Natürliches handeln könnte. Aber unbestritten war das Ritual erfolgreich und Laisrana gab dem Menschensohn ihren Segen, sonst hätten wir noch weitere Anstrengungen unternehmen müssen.

Götterpaar: Anarsial und Laisrana
Anarsial = Sonne, Magie,
Laisrana = Mond, Heilung


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Der Glaube der Mag-Mor


Die Namen der beiden Gottheiten, die ursprünglich bei den Em-Ag verehrt wurden, haben sich auch bei den Mag-Mor verändert, klingen jedoch noch ziemlich ähnlich. So wurde aus Naribia im Laufe der Zeit Narisala und aus Aibiran in selber Weise Alasiran. Deren Bedeutung für das Volk im normalen Leben ist den Mag-Mor jedenfalls weitaus mehr erhalten geblieben als dem anderen Inselelfenvolk.
Narisala und Alasiran werden als Elterngottheiten verehrt, die beständig das Leben ihrer 'Kinder' begleiten. So sind Verweise auf sie auch im Sprachgebrauch sehr verbreitet. Immer wieder kann man die Elfen von ihren Eltern sprechen hören, doch erst wenn man sie näher kennen lernt, fällt auf dass damit meistens nicht die wirklichen Eltern gemeint sind, sondern eben die Geschwistergottheiten, die ja eigentlich als Dualität betrachtet zwei Seiten desselben sind.
Dennoch stehen ihnen in (für die Elfen) jüngster Vergangenheit mehrere untergeordnete Gottheiten zur Seite, eine Art Diener, die als Boten fungieren und zu denen die Elfen auch beten, damit sie ihre Sache bei den Geschwistern vertreten: Batheka, Arondil, Masondir, und Aronash gelten als Boten für beide Geschwister zu gleichen Teilen, während Iloin und Sevares eher Narisala zugeordnet und Asuchan und Careses dem Gott Alasiran zu Diensten sind. Man muss nur ein wenig Phantasie aufweisen, um in den Namen dieser niederen Götter einige Namen des menschlichen Pantheons wiederzuerkennen - Chasun oder Rashon zum Beispiel. Hochrangige Theologen der Universität zu Rabenfurth gehen daher davon aus, dass die Elfen den menschlichen Glauben zum Teil adaptiert und dem ihren untergeordnet haben. Wie auch schon bei ihren Vorfahren werden den beiden Geschwistern jeweils Elemente zugeordnet, etwas, das die Mag-Mor anscheinend genau von den Em-Ag übernommen haben. Narisala steht weiterhin für den Mond, die Erde und das Wasser, wohingegen Alasiran der Sonne, der Luft und dem Feuer zugeordnet ist.
Da die Seefahrt für die Mag-Mor ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist, sind ihnen beide Geschwister gleich wichtig und gleich hoch angesehen, um sich sowohl das Meer als auch den Wind wohlgesonnen zu stimmen und so für eine gute Fahrt zu sorgen. Bemerkenswerterweise scheint das auch zu funktionieren, jedenfalls kommt es nur sehr selten vor, dass ein Schiff der Mag-Mor in einem Sturm untergeht oder lange Zeit in einer Flaute gerudert werden muss. Dies könnte aber auch an der besonderen Bauweise der Schiffe oder am verwendeten Holz liegen. Man muss neidlos anerkennen, dass die Mag-Mor begnadete Seeleute und Schiffsbauer sind, wodurch sich ihr Erfolg natürlich auch erklären ließe. Fast niemand kennt die Strömungen und das Wetter auf hoher See so gut wie die Inselelfen, und manche Techniken zur besonderen Bearbeitung des Holzes werden nur mündlich von Meister zu Schüler weitergegeben und sind in den Ländern der Menschen unbekannt. (mehr dazu bei der Beschreibung der Mag-Mor bzw der Insel)
Ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens der Mag-Mor sind weiterhin Opferungen, auch wenn es sich nun nicht mehr um Elfen handelt, die ihr Leben für das Wohl des Volkes opfern. Vielmehr werden den Gottheiten bei so ziemlich jeder sich bietenden Gelegenheit verschiedenste Objekte oder Naturalien als Opfer dargebracht. So kann man oft einen Mag-Mor Elfen beobachten, der mitten in einem Sturm einen kleinen Beutel mit Zucker ausstreut, um Alasirans Wut zu besänftigen, oder eine Elfe, die ihre Halskette ins Meer wirft, bevor das Schiff durch schwieriges Gewässer fährt, in dem spitze Klippen und Riffe unter der Wasseroberfläche nur darauf zu warten scheinen einen Schiffsrumpf aufzuschlitzen. Zusätzlich dazu sind die Mag-Mor sehr abergläubisch. Dass sie zu ihren Schiffen eine besondere Beziehung haben, ist ja hinlänglich bekannt. Immer wieder ist zu bemerken, dass diese wie lebende Individuen behandelt werden, als hätten sie Gefühle und würden auf Worte reagieren, oder darauf, wenn eine neue Schnitzerei oder andere Verzierung irgendwo am ohnehin reich geschmückten Holz angebracht wird. Über diesen Aberglauben schlecht zu sprechen erzürnt die Schiffe und führt im schlimmsten Fall gar dazu, dass diese sich den Göttern opfern wollen und versinken, es sei denn es gelingt, sie wieder zu besänftigen. Ein seltsamer Gedankengang, aber zumindest für die Elfen scheint es zu funktionieren, wenn sie ihre Schiffe schmücken und ihnen erneute Verzierungen in Form von Schnitzereien zukommen lassen, um sich so wieder mit ihnen zu versöhnen. Auch Magie wird ohne Zögern zur Instandhaltung und Verbesserung der Schiffe eingesetzt. Vielleicht ist auch in dieser guten Pflege der Schiffe - jeder Schaden wird beachtet, bemerkt und wenn möglich sofort behoben - deren Sicherheit begründet.
Die Glaubensgemeinschaft der Mag-Mor wirkt auf Außenstehende sehr locker und ungeordnet, ja richtiggehend chaotisch. So wechseln sich die Elfen häufig damit ab, wer nun die Götter vertritt und der Überblick geht, zumindest für Beobachter, sehr rasch verloren. Es kann vorkommen, dass man am einen Tag noch mit einem Händler gesprochen hat und am nächsten Tag wiederkommen will, um den Handel abzuschließen, stattdessen aber mit der Auskunft vertröstet wird, man möge doch bitte erst in einem Monat wiederkommen, denn jetzt würde der Händler Narisala vertreten und hätte dabei keine Zeit für derartige Dinge. Man könne sich aber natürlich auch mit seinem Stellvertreter zufrieden geben, der derweilen die Geschäfte führe. Die Aufteilung wirkt jedenfalls sehr willkürlich und feste Regeln sind dabei bisher nicht beobachtet worden oder konnten nicht ergründet werden. So werden auch alle diese Handlungen mit den Launen der Götter begründet, die wohl zuweilen so wechselhaft sind wie das Wetter auf See an sich.
Beispielsweise konnte beobachtet werden, dass mehrere vollgeladene Schiffe, die gerade am Auslaufen waren, sofort wieder in den Hafen umkehrten, weil die geopferten frischen Blüten nicht auf den Wellen schwammen, sondern von ihnen begraben wurden, was bedeutete, dass die Götter der Reise an diesem Tag nicht zustimmten. Jedoch wurde schon mehrfach der Verdacht geäußert, dass es sich bei all diesen Einschätzungen weniger um die Deutung der Launen der Götter handelt sondern schlichtweg um sehr lange Erfahrung mit dem Wetter und den Gezeiten. Und tatsächlich, später am Tag kam ein enormer Sturm auf, den selbst die Elfenschiffe wohl nicht heil überstanden hätten.

Die Schiffe werden ausschließlich aus dem besonderem Holz der Crannilbäume gebaut, die direkt auf Mag-Mor wachsen, und denen einiges an Besonderheiten zugeschrieben wird. So soll ihr Holz unter anderem besonders leicht und stabil sein und einen außergewöhnlich geraden Wuchs haben und daher gut zu bearbeiten sein. Am absonderlichsten ist wohl, dass die Insel noch immer dichte Waldgebiete aufweist, obwohl die Elfen beständig Bäume fällen. Laut einer Sage der Mag-Mor sind diese Bäume der Ausgleich ihrer beiden Götter dafür, dass sich die Elfen vor langer Zeit auf die Inseln zurückgezogen hatten und so dem Konflikt am Festland mit den Zwergen und Menschen aus dem Weg gegangen waren. Die Kämpfe wären hart gewesen und viele wären wohl darin umgekommen. Laut Erzählung wollten das die Götter nicht, so dass sie diejenigen, die sich zurückzogen, durch Bäume besonderen Wuchses belohnten. Man sagt, das Holz sei auch dann noch lebendig, wenn es verarbeitet wurde, ebenso wie die Bäume mit unvergleichlicher Geschwindigkeit zu wachsen scheinen, damit die Elfen immerzu genug Holz hätten, um ihre Schiffe zu bauen und so die Welt weiter erforschen und bereisen zu können, auch wenn sie das Festland aufgegeben hätten. Nach allem was bekannt ist, könnte auch in dieser Sage ein wahrer Kern stecken. Es ist bisher jedenfalls nicht gelungen, die Mag-Mor Bäume irgendwo anders wachsen zu lassen, selbst wenn die klimatischen Bedingungen mit denen der Insel übereinstimmten. Die Elfen sind jedenfalls davon überzeugt, dass ihre Götter darüber wachen, dass das Holz nicht missbraucht wird. So sind sie auch nicht davon zu überzeugen, Kriegsschiffe oder anderes Kriegsgerät daraus zu fertigen, obgleich man wahrlich Vortreffliches herstellen könnte.
Einmal gelang es einem verrufenen Seemann, mit seinen Leuten ein Mag-Mor Schiff zu erobern, wie er erzählte. Die Elfen hätten sie kaltblütig ins Wasser geworfen, damit es keine Zeugen gab, und das Schiff ans Festland gesegelt. Doch gelang es ihnen nicht, aus dem Holz etwas Brauchbares zu fertigen, erwies es sich doch als außergewöhnlich hart und schwer zu bearbeiten, ungeachtet dessen, wie leicht und spielerisch offenbar die Elfen die zahlreichen Verzierungen angebracht hatten. Und wenn es doch gelang, ein Stück aus einer Planke zu sägen oder aus dem Mast zu brechen, war es auf einmal vollkommen morsch und zu nichts mehr zu gebrauchen. Das erschreckendste waren aber wohl die Geräusche, die das Schiff dabei ertönen ließ. Wie gellende Schreie knirschten die Balken und unter dem gequälten Stöhnen erzitterte das ganze Deck - Laute, welche den Seemann seinen Worten nach bis in seine Träume verfolgten, weswegen er sich auch genötigt fühlte, seine Geschichte überall herumzuerzählen, sei doch seiner Meinung nach durch die Grausamkeiten an Schiff und Mannschaft deren Seele verletzt worden. Schließlich gaben sie auf und wollten weitersegeln. Doch kaum im Wasser, lief das Elfenschiff voll und versank. Was auch immer dahinter stecken mag, die Beziehung der Elfen zu ihren Schiffen ist jedenfalls tief religiös und bizarr.

Bizarr? Was verstehen sie denn schon davon, wie es ist, sich einem unserer Schiffe anzuvertrauen? Dass dies nicht einfach ein Gefährt für uns ist? Dass darin Leben steckt? Dass das Holz von uns selbst sorgfältig ausgewählt und bearbeitet wird, unser Blut und Schweiß es tränkt und wir so eine Verbindung damit eingehen?
Wie könnten sie verstehen wie es ist, dem Lied eines Schiffes zu lauschen, zu hören was es zu erzählen hat und daran zu erkennen, wie sein Zustand ist? Ihnen geht es nicht in den Kopf, dass es ein Gebet ist, wie man sein Schiff behandelt, es als Freund ansieht und so auch sicher sein kann, von ihm genausowenig in der Not im Stich gelassen zu werden, wie man es selbst nicht im Stich lassen würde.
Sie glauben doch tatsächlich, wir würden anderen leichtfertig unsere Schiffe, gewissermaßen unsere Kinder, überlassen, damit sie damit Kriege führen und sie ohne schlechtes Gewissen verbrennen oder versenken könnten, in einem ihrer dummen Kämpfe, deren Sinn einen Wimpernschlag an Jahren später niemand mehr weiß. Wie könnten wir dafür Schiffe opfern?


"Ich hatte das Glück, mit meinen Gefährten die Reise auf einem Mag-Mor Schiff bestreiten zu dürfen. Ich bin schon viel gereist in meinem Leben, und sicherlich die Hälfte davon war ich auf See unterwegs. Dennoch war das ein einmaliges Erlebnis. Alleine der Umgang der Elfen mit ihrem Schiff ist etwas wirklich Absonderliches. Sie sprechen davon als Lebewesen, das beleidigt werden kann, das man gut behandeln muss. Aber das ist wohl eben nur eine weitere der Eigenarten dieser Elfen. Was mich jedoch wirklich in Erstaunen versetzte, geschah einige Tage nachdem wir abgesegelt waren. Im Laufe des Tages ballten sich die Wolken immer mehr zusammen und nach und nach deutete alles darauf hin, dass ein ordentliches Unwetter über uns hereinbrechen würde, das das Schiff wie eine Nussschale auf den Wellen würde schaukeln lassen. Keiner der Elfen schien jedoch den Wetterwandel zu bemerken oder auch nur irgendwie darauf zu reagieren. Ganz im Gegenteil, sie machten weiter wie zuvor. Auf jedem anderen Schiff wären längst die Segel gerefft worden und man hätte versucht, seichtes und sicheres Wasser zu erreichen. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus und ging zum Kapitän, mit dem ich schon vor Antritt der Reise verhandelt hatte. Doch dieser schüttelte nur den Kopf und lächelte ein wenig, deutete auf einen anderen Elfen, mit dem ich zuvor noch nichts zu tun gehabt hatte und antwortete mir mit einer Selbstverständlichkeit, als plaudere er über sein Mittagessen, jener sei nun der Herr dieses Schiffes. Dieser Wechsel war vollkommen ruhig vonstatten gegangen, denn wir hatten nicht das Geringste davon bemerkt. Aber es war keinerlei Unterschied zu bemerken, außer dass nun ein anderer die Geschicke des Schiffes leitete. Die Matrosen benahmen sich alle, als wäre das etwas ganz Natürliches. Nun, für sie war es das wohl auch. Jedenfalls wechselte im Laufe der Reise noch zweimal die Würde des Kapitäns den Besitzer, mit mehr und mehr abstrusen Begründungen.
Entweder, weil ihre Götter es so wollten, weil das Schiff der Meinung war oder aber, weil der Wind gerade in dieser und jener Stärke blies. Deswegen gab ich es auch bald wieder auf, mich wirklich darum zu kümmern. Doch nun zurück zum Beginn des Unwetters: Ich ging also zu dem neuen Kapitän und deutete herum, machte ihn auf den zunehmenden und böig werdenden Wind aufmerksam, ebenso wie den Wellengang und die zusammengeballten, dunklen Wolken. Er lachte nur leise und nickte, ehe er fast mitleidig meinte: "Kind, denkst du wirklich, wir hätten das nicht bemerkt? Ich fahre wohl doppelt so lange zur See, wie du überhaupt Jahre gesehen hast." Das kam wirklich von oben herab, verdeutlichte mir aber erneut, wie jung wir ihnen wohl erscheinen mussten. "Nun, dann wisst ihr doch von dem Unwetter, wieso tut ihr nichts?" Fassungslos starrte ich all die Elfen an, bis sich einer erbarmte und mir erklärte, das Schiff hätte Lust auf etwas Abwechslung und bräuchte, wie ein gutes Pferd doch auch, einmal wieder einen ordentlichen Galopp über das Wasser. Hatte man so etwas schon mal gehör?! Ein Schiff, das Auslauf brauchte! Ich zweifelte ernsthaft am gesunden Geisteszustand der Elfen, und alle Gerüchte über sie kamen mir wieder in den Sinn. Zum Glück erinnerte ich mich aber auch, dass ein Mag-Mor Schiff so gut wie unsinkbar sein sollte, sodass ich zumindest ein klein wenig beruhigt war. Diese Beruhigung währte allerdings nicht lange, denn der Wind wurde immer stärker und zerrte bald mit aller Kraft an den Segeln, das Schiff schaukelte auf den Wellen und ich kam mir binnen kürzester Zeit vor, wie ein hilfloses Spielzeug der Elemente. Die Elfen hingegen grinsten und schienen tatsächlich ihren Spaß daran zu haben, ihr Schiff in den Untergang zu segeln, mit allen Seelen an Bord. Das hielt so lange an, bis über das Tosen des Sturms hinweg das Knarren des Holzes mehr als deutlich zu hören war und ich dachte, das Schiff würde jeden Augenblick auseinander brechen, so stark wie der Wind sich in die Segel warf. Was taten da diese Verrückten? Eine Elfe kam mit einem Blütenkranz und etwas Wein an Deck und alle Elfen beobachteten sie, wie sie Wein und Weinkelch den Wellen übergab und die Blumen in den Wind warf. Alle schienen gebannt den Kranz zu beobachten, der hin- und hergeschleudert und schließlich von einer Bö zerfetzt wurde. Da erst kam Aktivität in die Elfen und sie begannen, die Segel zu reffen, während der Wind zunahm, bis er schließlich wieder abnahm und sich das Wetter wieder beruhigte. Ohne zu zögern setzten sie die Segel erneut, und wir nahmen gehörig Fahrt auf. Kurz schien mir das Knarren der Balken gar übermütig, ja fröhlich zu klingen, vielleicht war aber auch nur die gute Laune der Elfen ansteckend."

(Bericht Orondak Dermelin, alter Seefahrer)



Jaja, ein erfahrener Seemann, so hat er sich genannt. Aber beim ersten Anzeichen für Unwetter gleich klein beigeben und doch tatsächlich verlangen, dass wir uns den ganzen Spaß entgehen lassen. Wirklich, anstatt den Wind zu nutzen wollte er vollkommen voreilig handeln. Tja, unerfahren wie er war, konnten wir ihm das doch verzeihen. Aber auf den Schiffen der Menschen müssen schon sehr seltsame Sitten herrschen, wenn sie überhaupt nicht darauf achten, was ihr Schiff will sondern nur an sich denken. Kein Wunder, dass sie nicht im Einklang sind und so oft beide zugrunde gehen.

Narisala und Alasiran = Elterngottheiten.
Narisala = Mond, Erde, Wasser (Mutter)
Alasiran = Sonne, Luft, Feuer (Vater)


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